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Streifzug zu den Beatus-Höhlen

Streifzug zu den Beatus-Höhlen

Moderation, Referate und Seminare
4. September 2024

Die Beatus-Höhlen über dem Thunersee bei Interlaken sind ein grandioses Naturspektakel und ein spiritueller Ort. Ein Streifzug mit dem SRF Kulturclub.

Streifzug zu den Beatus-Höhlen mit dem SRF-Kulturclub

Eine Felswand, mächtig wie eine Theaterkulisse. Darunter ein riesiges Loch im Fels, eine Höhle. Kühle Luft weht aus ihrem Eingang, Wasser sprudelt und ergiesst sich im freien Fall in den See. Die Beatus-Höhlen oberhalb des Thunersees bei Interlaken sind ein Naturspektakel und ein weitverzweigtes Höhlensystem, das sich tief in den Berg hinein erstreckt. Bis heute sind nicht alle Bereiche erforscht. Auf der Länge von ungefähr einem Kilometer ist die Höhle jedoch erschlossen und auf einem asphaltierten Weg gut begehbar. Hier kann man überall aufrecht stehen, nirgends kommt ein Gefühl der Enge auf.

Die Beatus-Höhlen sind nicht nur ein Naturspektakel, sie sind auch ein spiritueller Ort. An ihrem Eingang befindet sich das Grab des heiligen Beatus, in einer Felsnische gleich dahinter wird das Modell einer Einsiedelei mit Feuerstelle und Betten gezeigt. Die Einrichtung soll den Besucherinnen und Besuchern verdeutlichen, wie der Eremit Beatus hier gelebt hat.

Beatus war der Legende nach der erste Missionar der Schweiz. Er habe einen Drachen aus der Höhle über dem Thunersee vertrieben, sich dort niedergelassen, die Lehre des Christentums verkündet und Kranke geheilt. Am Eingang zur Höhle am Thunersee entsteht ab dem elften Jahrhundert ein Wallfahrtsort mit Pilgerherberge. Zudem wird zu Ehren des Heiligen eine Kapelle gebaut. Im 14. und 15. Jahrhundert werden die Beatus-Höhlen zu einem bedeutenden Wallfahrtsort.

Der Weg zwischen Interlaken und den Beatus-Höhlen wird stetig ausgebaut, zum Teil in die senkrecht ins Wasser abfallenden Felswände geschlagen. Bis heute gehört dieser eindrückliche Weg zum Netz der sogenannten Jakobswege, der Pilgerwege nach Santiago de Compostela in Spanien.

Im 16. Jahrhundert schliessen sich die Berner der Reformation an. Da Heilige und Wallfahrten den Reformierten suspekt sind, wird der Pilgerweg zur ehemaligen Klause des heiligen Beatus geschlossen, 1534 werden Kapelle und Herberge geschleift und die Höhle des heiligen Beatus wird kurzerhand zugemauert.

Die Beatus-Höhlen werden erst wieder in der Mitte des 18. Jahrhunderts aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Der Grund sind die weltlichen Alpenreisen, die in Mode kommen. So besucht zum Beispiel Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 1779 die Höhlen.

 

Hinweise für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer:

Die konstante Jahrestemperatur in den Beatus-Höhlen beträgt 8 bis 10°C. Wir empfehlen daher warme Kleider für den Besuch mitzubringen. Aus Sicherheitsgründen sind Kinderwägen und Rollstühle nicht erlaubt. Alle Teilnehmenden sollten den Streifzug zu Fuss bewältigen können.

 

Programm

10.00 Uhr        Bahnhof Interlaken West. Wanderung mit Norbert Bischofberger vom Bahnhof Interlaken West zu den Beatus-Höhlen (reine Gehzeit ca. 1,5 Stunden).            Verpflegung aus dem Rucksack. Ausrüstung: Wanderschuhe und der Witterung angepasste Kleidung.

13.30 Uhr        Einführung zum Thema und Führung durch die Beatus-Höhlen mit Norbert Bischofberger (Dauer bis ca. 15 Uhr)

Ca 15.00 Uhr  Ende der Führung. Möglichkeit, mit dem Dampfschiff nach Thun zurückzufahren.