Streifzug in den Ranft
Auf den Spuren von Niklaus und Dorothee von Flüe - Streifzug mit dem SRF Kulturclub
Spiritueller Kraftort Ranft mitten in einer einmaligen Naturlandschaft
In der Ranftschlucht im Kanton Obwalden hat der heilige Niklaus von Flüe (1417-1487) als Eremit gelebt, und dies einen Steinwurf von seiner Familie und seiner Frau Dorothee Wyss entfernt. Die Stille im Ranft und der Besuch der ehemaligen Einsiedelei berühren die Menschen bis heute.
Der Obwaldner Bauer und Politiker Niklaus von Flüe krempelt mit 50 Jahren sein Leben um. Er verlässt seine Frau und zehn Kinder und wird Einsiedler. Das war im 15. Jahrhundert. Die Geschichte elektrisiert die Menschen bis heute: Niklaus von Flüe, im Volk Bruder Klaus genannt, steckt in einer Lebenskrise. Der angesehene Bauer, Ratsherr und Richter aus Obwalden fastet und betet. Er fehlt am Familientisch. Es zieht ihn fort von seiner Frau Dorothee Wyss und von seinen fünf Töchtern und fünf Söhnen.
Wie der Pilger zum Eremiten wird
Immer wieder bittet er seine Frau Dorothee, ihm ihr Einverständnis zu geben, sich in die Einöde zurückzuziehen, um ein «einig Wesen» zu führen. Monatelang ringen sie. Niklaus von Flüe wird von innerer Unruhe und Depressionen geplagt. Schliesslich zieht er mit ihrem Einverständnis als Pilger fort. Das jüngste Kind trägt den Namen des Vaters, Niklaus, und ist vier Monate alt. Die ältesten Söhne sind erwachsen und verheiratet.
Niklaus von Flüe will als Wallfahrer ins Ausland. Von einer Vision bewegt, kehrte er jedoch bei Liestal (Baselland) um und lebt 20 Jahre als Eremit in der Ranftschlucht. Nur einen Steinwurf von seiner Frau und seiner Familie entfernt führt der Gottessucher ein Leben in völliger Abgeschiedenheit.
Das wundersame Fasten des Bruder Klaus
Niklaus von Flüe fastet und verzichtet im Ranft auf Essen und Trinken. Die Abstinenz von Essen und Trinken wird durch die Obwaldner Obrigkeit und durch Kirchenleute untersucht und bestätigt. Dadurch wird Bruder Klaus, wie er im Volksmund genannt wird, weit über die Eidgenossenschaft hinaus bekannt.
Freunde und Nachbarn errichten Bruder Klaus eine Kapelle mitsamt einer angebauten Eremitenzelle, etwa 50 Meter über dem Fluss Melchaa am Sonnenhang des Ranfts. Die Klause hat ein Fenster zur Kapelle und einen Ausgang zum Ranft. Das Fenster erlaubt es Bruder Klaus an der Messfeier in der Kapelle teilzunehmen. Der Eremit bleibt mit den Menschen verbunden. Er spricht mit den Besuchern, wenn er nicht gerade im Gebet versunken ist oder sich tagelang im Wald aufhält.
Der grösste Mystiker der Schweiz
Bruder Klaus macht religiöse Erfahrungen, sogenannte Visionen. Darin erfährt er Gott nicht als etwas Statisches, sondern als etwas Fliessendes. Er ist davon überzeugt: Vertrauen ersetzt jede Unsicherheit, Liebe vertreibt alle Furcht. Carl Gustav Jung bezeichnete Bruder Klaus später als den grössten Mystiker der Schweiz.
Beim sogenannten Stanser Verkommnis im Jahr 1481 lässt Niklaus von Flüe den zerstrittenen Eidgenossen eine wichtige Botschaft überbringen und trägt mit seinem Rat zu einem Friedensschluss bei. Das Stanser Verkommnis wird zu einem Meilenstein der Geschichte der Alten Eidgenossenschaft. Beinahe 500 Jahre nach seinem Tod wird Niklaus von Flüe im Jahr 1947 heiliggesprochen.
Was war Bruder Klaus für ein Mensch? Warum ist er letztlich in die Einsamkeit gezogen? Und sind Mystik und Erkenntnis nur in der Stille und Einsamkeit möglich? Diesen Fragen und den Biographien von Dorothee und Niklaus von Flüe gehen wir auf diesem Streifzug mit nach.
Norbert Bischofberger begleitet uns an diesen aussergewöhnlichen Ort in Flüeli-Ranft in Obwalden und schafft Zugänge zum Leben von Niklaus von Flüe und seiner Frau Dorothee Wyss. Wir besuchen die Klause im Ranft und lernen den Alltag eines Eremiten kennen. Wir erfahren, wie Niklaus von Flüe, im Volksmund Bruder Klaus genannt, zum Nationalheiligen der Schweiz wurde, während Dorothee Wyss zunehmend in Vergessenheit geriet und erst spät wiederentdeckt wurde.
Das Programm im Überblick: Freitag, 8. Mai 2026
10.00 Uhr Treffpunkt Flüeli Ranft Dorf, Bushaltestelle
Besuch und Führung im Ranft (ziemlich steiler Fussweg abwärts, Gehzeit ca. 10 Minuten)
Anschliessend Besuch im ehemaligen Wohnhaus von Niklaus und Dorothee von Flüe und ihrer Familie in Flüeli-Ranft Dorf
12:00 Uhr Mittagessen im Restaurant des Jugendstil-Hotels Paxmontana in Flüeli-Ranft
Ca. 14.00 Uhr Wer mag, geht den abwechslungsreichen Weg von Flüeli-Ranft zu Fuss nach Sarnen (Dauer ca. eineinhalb Stunden, normaler Wanderweg).